Ballettgeschichte
Die Ursprünge des Balletts
Die ersten Experimente mit dem Ballett gehen auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Die wesentlichen Versuche fanden jedoch im 16. und 17. Jahrhundert statt, als die höfischen Tänze immer weniger Anklang fanden und die Künstler nach neuen Formen und Techniken des Tanzes suchten. Eine der ersten Ballettaufführungen fand 1499 anlässlich der Vermählung des Herzogs von Mailand mit lsabel von Aragon in Tortona, Italien, statt. Choreograph der Veranstaltung war Bergonzo Betta, ein Adeliger aus der Stadt Tortona. Sein Beitrag war in der Tat originell. Er gab seinem Werk einen klar erkennbaren Aufbau, der die eheliche Liebe ausdrücken sollte. Die Aufführung war recht prunkvoll, der Tanz selbst jedoch einfach, ja elementar. Der Darbietung war ein gewaltiger Erfolg beschieden. Sie wurde zum vorrangigen Gesprächsthema für den gesamten italienischen Adel.
Im Italien des 15. Jahrhunderts erschien denn auch die erste Abhandlung über den Tanz. Ihr Titel lautete: „De arte saltandi et choreas ducendi" (Von der Kunst, zu springen und einen Chor zu leiten). Autor war Domenico di Piacenza, der am Hof von Ferrara beschäftigt war. Welchen Einfluss die Schrift auf die Kunst ihrer Zeit hatte, ist nicht bekannt; denn ihre Existenz wurde erst anhand der im Jahr 1963 gefundenen Manuskripte entdeckt. Ihre Bedeutung beruht jedoch zweifellos auf der Tatsache, dass es sich hierbei um den Ursprung jeder choreographischen Arbeit handelt. Domenico di Piacenza lässt die tradierten Tanzschemata beiseite und konzentriert sich voll auf die Beschreibung der Schritte und Bewegungen. Aus beiden ergeben sich bei ihm völlig neue Kombinationen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die gewaltige italienische Kreativität in der Person von Baltazarini Baldassarino di Belgioioso offenbar. Er zog als Geiger nach Frankreich und wurde dort als Balthazar de Beaujoyeux bekannt. Er besaß weitreichende Erfahrungen mit dem höfischen Leben, wurde ein berühmter Ausrichter von Festlichkeiten und entwickelte geradezu revolutionäre Ideen für das Ballett. Auch Katharina von Medici beeinflusse den französischen Hof durch ihr Interesse an der Entwicklung des Balletts, das sie in ihrer Heimat Italien kennen gelernt hatte. Das Zusammentreffen des künstlerischen Interesses der Königin und der Beaujoyeuxs trug wesentlich zur Weiterentwicklung und Konsolidierung des Balletts bei. Als Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde 1573 zum ersten Mal das „Ballet des polonais" in den Tuillerien aufgeführt.
Das wichtigste Werk Balthazars war jedoch das „Ballet comique de la reine", das 1581 zum ersten Mal im Palais Petit Bourbon aufgeführt wurde und die Tradition des Hofballetts begründete. Es war eine freie Version des Odys-seus-Mythos als Gefangener der Zirze. Zukunftsweisend waren die durchgehenden Schritte, die Beschränkung auf eine bestimmte Tanzfläche und der Anflug von Professionalismus. Der Aufführungssaal war zwar groß, die Fläche, die die Tänzer beanspruchten, wurde jedoch durch choreographische Elemente und den Raum für das Publikum begrenzt. Diese eingeschränkte Tanzfläche kann bereits als unmittelbare Vorläuferin der späteren Bühne betrachtet werden. Beaujoyeaux erklärt im Vorwort zu dieser Choreographie, weshalb sein „Ballet comique de la reine" als Beginn der Geschichte des Balletts betrachtet werden muss: „Ich habe den Schwerpunkt zunächst auf den Tanz und erst in zweiter Linie auf den Inhalt gelegt." Die neue Auffassung des Tanzes wurde begeistert aufgegriffen und verbreitete sich von Frankreich aus bald an alle europäischen Höfe. Inhaltlich wurden diese Ballette übrigens von der griechischen und römischen Mythologie inspiriert.

